US-Ratingagenturen haben in Europa einen schweren Stand

25. Juni 2011

ESMA droht den US-Ratingagenturen notfalls mit Zulassungsentzug


Schon länger fordern deutsche Politker, vor allem aus den Reihen der Unionsparteien, die Gründung einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu den beinahe übermächtig erscheinenden US-Ratingagenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s. Aktuell scheint dieses Projekt Auftrieb zu bekommen – und die US-Ratingspezialisten haben in Europa zunehmend einen schweren Stand.

 

Gegenwind kommt dabei unter anderem von der neu geschaffenen Wertpapieraufsicht ESMA der EU. Die ESMA fährt dabei schwere Geschütze auf und drohte den US-Ratinggiganten ultimativ sogar mit einer Versagung der Zulassung, falls die Großen Drei aus den USA sich nicht an europäische Bewertungsstandards halten würden.

 

Roland Berger: Treibende Kraft hinter einer Euro-Ratingagentur?


Die europäische Kritik am Vorgehen und den Bewertungen der US-Ratingagenturen wird immer deutlicherWährenddessen gewinnt auch das konkrete Projekt „Europäische Ratingagentur“ sichtbar an Fahrt: Die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants hat bestätigt, dass aktuell Sondierungsgespräche zum Aufbau einer solchen europäischen Ratingagentur in Frankfurt am Main laufen. Gesprächspartner von Roland Berger Strategy Consultants sind dabei dem Vernehmen nach die Finanzmarktinitiative Frankfurt Main Finance, die hessischen Landesregierung sowie die Deutsche Börse AG.

 

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise waren auch die US-Ratingagenturen noch in Europa wohlgelitten, nun wird ihnen nicht nur eine Mitschuld an der Krise aufgrund von Fehlbewertungen zugewiesen sondern auch ihre aktuelle Rolle bei der Bewertung der Euro-Schuldenstaaten Griechenland, Irland und Portugal aus Europa scharf kritisiert.

 

ESMA-Chef Maijoor bezieht klar Position


Steven Maijoor, der frisch installierte Chef der neuen europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA steckte die europäischen Claims gegenüber den US-Ratingagenturen am heutigen Tage schon einmal deutlich ab:

 

„Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen“. Mit diesem Statement unterstrich Maijoor den europäischen Anspruch eigene Standards für die Risikobewertung zu schaffen – notfalls auch gegen die aktuell vorherrschenden Standards aus den USA.

 

 

(Foto: © Michael Ottersbach / PIXELIO)


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