SNB und Schweizer Franken - es kann nur besser werden

09. Februar 2012

Thomas Jordan stellt schwächeren Franken in Aussicht


Der interimistische Präsident der SNB (Schweizerische Nationalbank) stellte in seinem Refarat vom 7. Februar vor der Swiss-American Chamber of Commerce eine nachhaltige Abschwächung des Schweizer Franken in Aussicht. Das dürfte Balsam auf die Wunden der Kreditnehmer sein, die sich in Schweizer Franken verschuldet haben und ihren Schuldendienst in Euro erarbeiten müssen.

 

Wegen des in den letzten Jahren immer schwächer gewordenen Wechselkurses von EUR/CHF, ist es derzeit für viele Schuldner nur unter erheblichen Anstrengungen möglich, ihre Schulden zurückzuzahlen und die anfallenden Zinsen aufzubringen.

 

Nur wenige Schuldner haben die Reißleine rechtzeitig gezogen und ihr Darlehen rechtzeitig in einen Eurokredit konvertiert. Zuletzt schien selbst der seit einigen Monaten fest etablierte Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro zu wackeln. Mit 1,2030 kam der Wechselkurs von EUR/CHF dem Mindestkurs gefährlich nahe.

 

Es wird keinen Kurs unter 1,20 geben!


Mit Thomas Jordan an der Spitze der SNB wird es keinen Kurs unter 1,20 geben. So betonte Jordan, dass es „am relevanten Interbankenmarkt keinen Geschäftsabschluss unter dem Mindestkurs“ geben wird. Auch bekräftigte der SNB Vize, der als heißer Kandidat für den Präsidentenposten gehandelt wird, dass die SNB bereit steht „weitere Maßnahmen zu ergreifen, falls die Wirtschaftsaussichten und die Deflationsrisiken es erfordern“.

 

Ohnehin gehe die SNB davon aus, dass sich der Schweizer Franken mit der „Zeit abschwächen und auf ein Niveau fallen wird, das mehr mit den ökonomischen Fundamentalwerten im Einklang steht“. Dieses Niveau sehen Marktbeobachter aktuell bei einem Kurs von 1,35 bis 1,40. Hier sei EUR/CHF kaufkraftparitätisch, behaupten zahlreiche Währungsexperten und Marktbeobachter.

 

Banges Warten auf höhere Kurse


Vieles hängt auch vom weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise ab, so Jordan. Sofern die Krise gelöst wird, dürfte es zu starken Abflüssen aus dem Schweizer Franken und EUR/CHF würde automatisch steigen, ohne dass die SNB interveniert.

 

Sollte sich die Krise hingegen verschärfen, dürfte sich auch der deflationäre Druck innerhalb der Schweiz erhöhen – weitere Interventionen durch die SNB wären dann fast garantiert, immerhin wird die Nationalbank nicht müde, ihre Handlungsbereitschaft im Hinblick auf weitere Deflationsrisiken zu betonen und erste Deflationstendenzen gibt es bereits jetzt. Höhere Notierungen im EUR/CHF sind somit so oder so wohl nur eine Frage der Zeit.

 

 

(Foto: © tokamuwi / www.pixelio.de)


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