Hans-Böckler-Stiftung-Umfrage: Starkes Lohngefälle zwischen West und Ost

12. Juli 2011

Arbeitnehmer im Osten der Bundesrepublik bekommen bis zu 33 Prozent weniger


Eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat ergeben: Auch mehr als 20 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung bekommen Arbeitnehmer im Osten der Republik eine teilweise bis zu einem Drittel niedrigere Entlohnung – für die identischen Tätigkeiten!

 

Dieses Extrembeispiel bezieht sich nach Angaben von Bild und AFP auf die Berufsgruppe der Zerspanungsmechaniker beziehungsweise Fräser.

 

Böckler-Umfrage: Nur in 2 von 100 Branchen geht es den Ost-Arbeitnehmern besser


Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung: Auch zwei Jahrzehnte nach Mauerfall und Wiedervereinigung herrschen immer noch starke Lohnunterschiede zwischen Ost und WestDer von den Stiftungs-Forschern ermittelte Durchschnitt ist zwar nicht ganz so hoch – er liegt bei 17 Prozent Lohngefälle zwischen West und Ost – dennoch ist der Abstand zwischen Ost und West immer noch sehr dramatisch.

 

In der gesamten Studie hat die Hans-Böckler-Stiftung nur zwei Berufsgruppen – von 100 – aufgespürt, die im Osten einen besseren Durchschnittsverdienst erzielen konnten als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen Deutschlands. Dies waren die Friseure mit +2 Prozent mehr Gehalt im Osten und die Briefzusteller, die sogar +4 Prozent mehr Geld in den neuen Bundesländern erhielten.

 

Ost vs. West: Die Struktur der Betriebe unterscheidet sich immer noch stark


Die Forscher der Hans-Böckler-Stiftung haben sich im Zuge ihrer diesjährigen Umfrage natürlich auch auf die Suche nach den Hintergründen des West-Ost-Lohngefälles gemacht. Reinhard Bispinck, der Leiter des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Stiftung, sieht vor allem strukturelle Unterschiede in der Tarifbindung „der ostdeutschen Firmen“ als „Hauptgrund für die niedrigeren Ost-Gehälter“.

 

Darüber hinaus hätte natürlich auch die Struktur der ostdeutschen Betriebe einen deutlichen Einfluss, in dieser Hinsicht seien die Arbeitnehmer in kleinen Betrieben im Osten ihren Kollegen in größeren Unternehmen oder in Konzernen im Westen klar unterlegen.

 

Briefzusteller im Osten: Gut organisierte Arbeitnehmer verdienen mehr


Diese Erkenntnisse helfen auch dabei, zu verstehen warum gerade die Gehälter der Briefzusteller im Osten so gut sind. Die Briefzusteller, egal ob sie beim ehemaligen Staatsmonopolisten Deutsche Post AG oder bei einem der Wettbewerber von Deutsche Post DHL angestellt sind, sind im Osten wie im Westen traditionell gewerkschaftlich sehr gut organisiert. Auf diese Weise haben sie natürlich alle Möglichkeiten gute Tarifabschlüsse zu erzielen.

 

 

(Foto: © RainerSturm / www.pixelio.de)


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