Griechenland-Hilfe: Paris ergreift die Initiative
Sarkozys Pläne zur Umschuldung finden die Zustimmung der Bundesregierung
Die französische Regierung hat im Zusammenhang mit den geplanten Griechenland-Hilfen etwas überraschend die Initiative ergriffen: Frankreich hat einen Plan erarbeitet, der ohne direkten Zwang auch die privaten Gläubiger wie Banken und Versicherungen ins Boot holen soll. Anlässlich der Vorstellung dieser Pläne äußerte Präsident Nicolas Sarkozy bei seiner Pariser Pressekonferenz die Hoffnung, dass die EU dem französischen Konzept zustimmen werde. In einer ersten Reaktion hat die Bundesregierung den Vorstoß von Präsident Sarkozy begrüßt.
Der Sarkozy-Plan wurde übrigens von einer Gruppe unter Leitung der Großbank BNP Paribas ausgearbeitet und soll laut der großen französischen Tageszeitung Le Figaro am heutigen Montag bei einem Meeting des internationalen Bankenverbands IIF in der italienischen Hauptstadt Rom debattiert werden.
Griechenland-Papiere könnten zu 50 % in 30-jährige Anleihen gewandelt werden
Es ist übrigens wenig verwunderlich, dass der Vorschlag just aus Frankreich kommt und von Deutschland umgehend begrüßt wird: Die Banken in diesen beiden Ländern halten nämlich einen sehr bedeutenden Teil der griechischen Staatsschuld. Nach Schätzungen von Ende 2010 beläuft sich das Gesamt-Engagement der Banken in Deutschland und Frankreich in griechischen Staatsanleihen auf rund knapp 26 Milliarden Euro.
Wie die Zeitung Le Figaro heute weiter berichtet soll die Beteiligung der Privatgläubiger nach folgendem Muster ablaufen: Beim Auslaufen einer Griechenland-Anleihe sollen die Banken und Versicherungen 70 Prozent des Kapitals dem Land wieder zur Verfügung stellen. 50 Prozent des Gesamtkapitals sollen dabei in frische Anleihen gesteckt werden, die diesmal aber – unabhängig von der vorherigen Anlagedauer – eine Laufzeit von 30 Jahre haben würden.
Eine solch lange Laufzeit bei mindestens der Hälfte der Staatsverbindlichkeiten würde den Südeuropäern nach den französischen Plänen die benötigte Luft bei der Rückzahlung verschaffen.
Sind abgesicherte Nullkoponanleihen eine freiwillige Anlage?
Die übrigen 20 Prozent sollen nach den Überlegungen Zero-Bonds fließen, darunter sind Anleihen ohne laufende Zinszahlungen zu verstehen. Diese Nullkupon-Anleihen sollen zum Ausgleich durch einen Fonds mit Wertpapieren von Emittenten mit sehr guter Bonität abgesichert werden.
Lediglich bei den verbleibenden 30 Prozent des durch das Auslaufen frei werdenden Kapitals könnten die Banken nach den vorliegenden Plänen wohl komplett selbst entscheiden, wie bei der Neuanlage verfahren werden soll. Die Freiwilligkeit bewegt sich nach Einschätzung von Experten also durchaus auf dünnen Eis.
(Foto: © Wilhelmine Wulff / PIXELIO)
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