Allianz-Finanzvorstand Achleitner: Einfache Lösung für komplexe Probleme?
Welt Online-Interview: Achleitner spricht über Griechenland, die EU und die Transferunion
Paul Achleitner leitete über Jahre die Deutschland-Niederlassung der US-Investmentbank Goldman Sachs und ist nun mittlerweile seit dem Jahre Vorstand der Allianz. Beim Münchener Großversicherer Allianz verantwortet er im Vorstand die Ressorts Finanzen und Beteiligungen. Darüber hinaus ist er auch in der Lehre aktiv – und sitzt in diversen Aufsichtsräten anderer deutscher Großkonzerne. All dies zusammen führt natürlich dazu, dass dem Allianz-CFO Gehör geschenkt wird, gerade wenn er sich zu den aktuellen Themen Schuldenkrise, Europas Zusammenhalt und Griechenland äußert. Im Interview mit der Onlineausgabe der großen Tageszeitung Die Welt, Welt Online, erläuterte der Versicherungsmanager am Wochenende seine Sicht der Dinge.
Die Rolle als Euro-Anleiheversicherer könnte zuerst der EFSF und dann der ESM übernehmen
Für die Lösung der Griechenland-Krise haben Paul Achleitner und Experten aus dem Hause der Allianz ein Konzept erarbeitet, das dem Vernehmen nach auch in deutschen und europäischen Kreisen durchaus mit Interesse diskutiert wird. Kurz gesagt geht es dabei um die Schaffung eines europäischen Anleiheversicherers, natürlich nicht in Form eines Unternehmens sondern als neue europäische Institution oder als Teil einer bereits bestehenden europäischen Finanzinstitution.
Konkret schwebt dem Allianz-CFO dabei der ab 2013 bestehende Europäische Stabilitätsmechanismus ESM, der dann mit 700 Milliarden Euro ausgestattet sein wird. Bis 2013 könnte möglicherweise der Euro-Rettungsschirm EFSF temporär als Anleihenversicherer auftreten.
Der Idealfall: Griechenland bietet freiwilligen Schuldenschnitt an – und alle ziehen mit
Eine solche Anleiheversicherung würde es nach Achleitners Einschätzung dann Griechenland erlauben eine freiwillige Anleihetausch-Lösung anzubieten, beispielsweise ein Tausch von alten Anleihen mit einem Nominalwert von 100 in neue Anleihen mit einem Nominalwert von 70.
Ergebnis wäre ein Schuldenschnitt und gleichzeitig die dringend benötigte Verlängerung der Kreditlaufzeiten der Anleihen. Die privaten und institutionellen Griechenland-Gläubiger würden durch eine gleichzeitige Schaffung einer verlässlichen Anleiheversicherung dazu motiviert werden, den freiwilligen Schritt Griechenlands auch tatsächlich mitzugehen.
Paul Achleitner kann die Debatte um eine Transferunion nicht ganz nachvollziehen
Nach Achleitners Einschätzung ist die Europäische Union darüber hinaus „schon lange eine Transferunion“, trotz aller diesbezüglichen Dementis von verschiedenen Seiten. Achleitner verwies im Welt-Gespräch in diesem Zusammenhang vor allem auf die Tatsache, dass es bereits schon lange ein gemeinsames Agrarbudget in der EU gebe. Dort würden bereits Bürger aus Deutschland, Österreich und den Niederländen zum Beispiel für Landwirte in Frankreich oder Spanien zahlen.
Der Allianz-CFO kann also die „Aufregung“, die in vielen Diskussionen allein schon bei der Nennung des Stichworts Transferunion aufkommt, nicht so ganz nachvollziehen.
(Foto: © Pressebild Paul Achleitner (CFO) / Allianz SE)
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